Wankelmotorräder

Ottomotor

von Ralph Schelle

Motorenprinzip Ottomotor/Wankelmotor

Der Ottomotor

Die 2 großteils bekannten Motoren sind der 2Takt- und der 4Takt-Ottomotor.
Im Wesentlichen besteht diese Bauart aus einem Kolben, der in einem Zylinder auf- und abgeht (in nebenstehender Skizze grüngelb). 2Takter und 4Takter sind weltweit etabliert. Verbrennungsmotoren, die auf anderen Prinzipien beruhen, sind am Markt kaum vertreten.

Kreiskolbenmotor

Der Kreiskolbenmotor

Um 1940 skizziert ein Tüftler namens Felix Wankel einen gänzlich anderen Motor - den Kreiskolbenmotor (später: „Wankelmotor“). Bei diesem muss der Kolben nicht ständig auf- und abwärts stampfen, vielmehr dreht sich hier ein dreieckiger Kolben (in nachfolgender Skizze grau dargestellt) exzentrisch im Kreis.

Die Vorteile des Motors sind im Wesentlichen:

  • da keine Massen hin- und hergehen, läuft dieser Motor gänzlich vibrationsfrei
  • keine komplizierten Ventile - extrem wenig Bauteile
  • deutlich geringere Baugröße

Nach dem Krieg entwickelt Felix seinen Motor weiter. 1967 erscheinen von Mazda und NSU die ersten beiden Großserienfahrzeuge mit Wankelmotor. Die Presseberichte sind großteils euphorisch. Doch Kinderkrankheiten (Motor war bei Serienfertigung noch nicht ausgereift) und relativ hoher Spritbedarf (Ölkrise 1973!) ernüchtern Kunden und Hersteller. Die meisten Lizenznehmer stellen ihre Entwicklung Mitte der 70er-Jahre ein.

Danach gibt es zwar eine Handvoll kleiner Nischenanbieter von Wankelmotoren, aber in einer ernst zu nehmenden Großserie verbaut nur Mazda diesen Motor.

Werbung der Fa. Hercules (70er Jahre)
Werbung der Fa. Hercules (70er Jahre)

Wankel-Motorräder

Von der Wankel-Euphorie der späten 60er-Jahre werden auch Motorradhersteller erfasst. Was heute fast nicht bekannt ist: MZ ist die erste Firma, die das weltweit erste wankelgetriebene Motorrad auf die Räder stellt. DDR-Politiker stoppen die Entwicklung jedoch. Ebenfalls frühzeitig gestoppt wird die Entwicklung bei Kawasaki, Yamaha und Honda.

  • Hercules möchte der erste Motorradhersteller der Welt sein, welcher ein Wankelmotorrad in Serie baut. Das ehrgeizige Vorhaben gelingt 1974, doch am Markt kommt das Motorrad mit der zukunftsträchtigen Bezeichnung „W 2000“ kaum an; gerade mal 1780 Stück werden verkauft.
  • 1975 geht Suzuki mit der RE 5 (recht erfolglos) auf den Markt.
  • Van Veen baut ein großes und sehr edles Wankelmotorrad, wovon letztlich jedoch nur 42 Stück gebaut werden.
  • BSA und später Norton führen Entwicklungen des Hercules-Motors weiter und gehen mit einem 2-Scheiben-Wankelmotorrad auf den Markt. Zwar bleiben auch hier die Stückzahlen bescheiden, der sportliche Erfolg jedoch wird 1992 mit dem Sieg im legendären TT-Rennen der Isle of man gekrönt.

Heute sind Wankelmotorräder Teil einer interessanten Technikgeschichte. Eine rege Interessengemeinschaft (www.hercules-wankel-ig.de) kümmert sich um Historienaufarbeitung und Ersatzteilbeschaffung – und fährt mit einer Rennwankel in verschiedenen europäischen Youngtimerrennen mit.

Rennwankel Foto: Teamfotograf Lewicki
Rennwankel Foto: Teamfotograf Lewicki

Weitere Informationen

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte www.hercules-wankel-ig.de

Die Redaktion bedankt sich bei Herrn Ralph Schelle für die uns zur Verfügung gestellten Informationen und Bilder.
Live zu bewundern werden einige Wankelmotorräder bei der diesjährigen Riedenburg Classic 2011 sein, welche im Rahmen des Wankel-Cup's Sonderläufe bestreiten werden.